Trotz steigender Marktunsicherheit geben Verkäufer bei M&A-Verhandlungen in Europa immer noch den Ton an. Das spiegeln auch die M&A-Verträge wider. In den USA zeigt sich dagegen ein anderes Bild.

Das Pendel am M&A-Markt schlägt nach wie vor zu Gunsten der Verkäufer aus – und diese Verhandlungsmacht zeigt sich auch in den M&A-Verträgen. Das ist ein Ergebnis der European M&A Study 2019 von CMS, die am heutigen Mittwoch veröffentlicht wird und in die FINANCE vorab Einblick hatte. Für die Studie hat die Kanzlei 458 Share- und Asset-Deals ausgewertet, die die Juristen im vergangenen Jahr europaweit begleitet haben.

Dass die Stellung der Verkäufer immer mehr gestärkt wird, zeigt sich in den M&A-Verträgen darin, dass sogenannte Locked-Box-Transaktionen weiter zunehmen. Dabei wird der Kaufpreis nach einer Financial Due Diligence auf Basis des Jahresabschlusses zu einem bestimmten Stichtag ermittelt. Der Kaufpreis ist fest und unterliegt keinen Anpassungen. Gerade Private-Equity-Investoren als Verkäufer nutzen Locked-Box Regelungen häufig. Insgesamt stieg die Nutzung 2018 gegenüber dem Vorjahr von 49 auf 59 Prozent.

M&A-Deals in den USA laufen anders ab

Der Anteil der Transaktionen mit Kaufpreisanpassungsklauseln, die vom Grundsatz her eher käuferfreundlich sind, sank dagegen europaweit von 48 auf 44 Prozent. In Deutschland liegt der Wert sogar noch deutlich darunter: Nur bei 31 Prozent und damit nicht einmal einem Drittel der M&A-Deals war im vergangenen Jahr eine Kaufpreisanpassung vorgesehen (2017: 39 Prozent).

In den USA dagegen zeigt sich in den M&A-Verträgen ein völlig anderes Bild: In 86 Prozent der Transaktionen einigten sich Käufer und Verkäufer auf Mechanismen zur Kaufpreisanpassung. Im Gegensatz zu Europa seien die USA ein Käufermarkt, lautet das Fazit der Juristen.

Fachkräftemangel ist ein Treiber für M&A-Deals

Erstmals hat CMS in der diesjährigen Studie auch ausgewertet, wieso sich die Käufer für ihre jeweiligen M&A-Ziele interessierten. Der häufigste Dealtreiber zeigt den Expansionshunger vieler Käufer: Die Übernahme eines Lieferanten oder der Eintritt in einen neuen Markt standen bei 32 Prozent der Transaktionen im Fokus.

Auch der Fachkräftemangel trägt dazu bei, den Stellenwert von M&A-Deals zu steigern: 23 Prozent der Käufer nutzten ihre Transaktion in erster Linie, um sich Know-how oder Fachkräfte ins Unternehmen zu holen (sogenannte Acqui-hire-Transaktionen). Die Übernahme eines Wettbewerbers war Haupttreiber bei 20 Prozent der analysierten Übernahmen.

Unsichere Lage belastet M&A-Markt

Maximilian Grub, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Corporate/M&A von CMS Deutschland, sieht für die Verkäufer weiterhin gute Rahmenbedingungen am M&A-Markt. Er geht davon aus, dass die eher verkäuferfreundlichen Marktbedingungen für M&A-Transaktionen auch 2019 weiter anhalten.

Allerdings ziehen auch am M&A-Markt erste dunkle Wolken auf: Seit dem vierten Quartal 2018 mache sich die unsichere geopolitische Lage in Europa durch einen Rückgang der Aktivitäten am M&A-Markt bemerkbar, beobachten die Juristen. Um die Details der M&A-Verträge dürfte damit auch künftig hart verhandelt werden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de
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