Deutsche Unternehmen geraten auf dem M&A-Markt in die Defensive: Vor allem der stärker werdende Druck durch Finanzinvestoren lässt Strategen neue M&A-Investments stärker hinterfragen.

Deutsche Unternehmen legen bei ihren M&A-Aktivitäten nicht mehr den gleichen Optimismus an den Tag wie noch in den vergangenen Jahren. Eine sich eintrübende wirtschaftliche Gesamtsituation und zunehmende politische Risiken kalkulieren sie bei geplanten Deals wieder stärker ein. Vor allem aber reagieren sie darauf, dass die unter Anlagedruck stehenden Finanzinvestoren ihre Gangart verschärft haben. Das zeigen die Ergebnisse des aktuellen FINANCE M&A Panels, für das FINANCE zusammen mit der Wirtschaftskanzlei CMS leitende Mitarbeiter aus den M&A-Abteilungen deutscher Unternehmen anonym befragt hat.

Prägnantestes Ergebnis: Gegenüber Finanzinvestoren sehen sich die Konzerne im Wettbewerb um potentielle M&A-Targets nicht mehr länger im Vorteil. Die M&A-Verantwortlichen stimmen der These, dass Strategen gegenüber Finanzinvestoren im Vorteil seien, nur noch mit einem Wert von 4,86 Punkte zu (10 = vollkommene Zustimmung).

Dies ist ein neuer Negativrekord seit der erstmaligen Befragung des FINANCE M&A Panels im Februar 2011. Im Juni lag dieser Wert noch bei 5,76 Punkten, vor einem Jahr bei 5 Punkten. Diese Ergebnisse decken sich auch mit den Erkenntnissen des jüngsten FINANCE Private Equity Panels, das Sie hier kostenlos herunterladen können.

M&A-Strategen werden unsicher

Verstärkt wird die Unsicherheit bezüglich anstehender Zukäufe durch die Eintrübung der wirtschaftlichen Gesamtsituation. Die befragten M&A-Experten werten das wirtschaftliche Umfeld zwar als stabil. Trotzdem betrachten sie eine unsichere wirtschaftliche Gesamtsituation wieder vermehrt als einen Grund für das Scheitern von Transaktionen. Auf einer Skala von 1 (unwichtig) bis 10 (sehr wichtig) bewerten die Befragten diesen Dealbreaker mit 4,77 Punkten. Dies ist nach wie vor ein moderater Wert, aber im Juni lag er noch gut ein Drittel niedriger bei 3,65 Punkten.

Mehrere Faktoren dürften zur zunehmenden Verunsicherung deutscher Unternehmen beitragen. So ziehen sich die Brexit-Verhandlungen immer weiter hin, ohne dass sich ein Ergebnis abzeichnet. Zudem haben die USA ihren berüchtigten Ausschuss zur Prüfung von Auslandsinvestitionen CFIUS mit noch mehr Macht ausgestattet, wodurch Deals mit US-Bezug noch komplizierter und langwieriger zu werden drohen.

Auch hierzulande steht eine Verschärfung der Kontrollmechanismen bei M&A-Deals im Raum: „Es wird über ein Absenken der Aufgreifschwelle von 25 auf 10 Prozent diskutiert“, erklärt Thomas Meyding, Corporate Partner bei CMS in Deutschland. „Die Unternehmen lehnen eine Verschärfung dieser Regelungen weit überwiegend ab.“ Grund: Sollte es tatsächlich so kommen, könnte die Politik schon beim Erwerb eines Minderheitsanteils von 10 Prozent durch eine dritte Partei einschreiten und den Deal vereiteln. Dies würde es deutschen Unternehmen schwerer machen, strategische Allianzen mit Unternehmen oder Investoren aus dem Ausland zu schließen.

Auch das Finanzierungsumfeld für Deals wird schlechter

Weiterer Bremseffekt am M&A-Markt: Die Unternehmen beobachten auch, dass die Finanzierung von M&A-Deals langsam wieder schwieriger wird. Die Verfügbarkeit von Akquisitionsfinanzierungen in den vergangenen zwölf Monaten bewerteten die FINANCE-Panelisten auf einer Skala von 1 (drastisch verschlechtert) bis 10 (eindeutig verbessert) mit 5,27 Punkten – der niedrigste Wert seit Juni 2012.

Oliver Wolfgramm, Corporate Partner bei CMS in Deutschland, relativiert diesen Punkt jedoch ein wenig: „Das Finanzierungsumfeld ist nach wie vor sehr gut. In den kommenden Monaten dürfte es sich vor dem Hintergrund der unsicheren Konjunkturaussichten allerdings tatsächlich eher verschlechtern.“ Aus seiner Sicht wird künftig ein Faktor besonders wichtig: „Immer entscheidender für die Finanzierbarkeit einer Transaktion ist die Industrie, in der das Target tätig ist, und deren Anfälligkeit für konjunkturelle Schwankungen.“

andreas.mehring[at]finance-magazin.de
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