Mehr Emissionen und ein massiver Rückgang bei den Ausfällen: Erstmals seit langem war 2018 kein Horrorjahr am Markt für Mittelstandsanleihen.

Die Kernschmelze am Markt für Mittelstandsanleihen scheint vorbei zu sein. Gab es 2016 und 2017 noch Ausfälle im Gesamtvolumen von 1,7 Milliarden Euro – mehr als das Neuemissionsvolumen in diesen Jahren –, fielen im vergangenen Jahr nur noch drei kleine Mittelstandsanleihen der beiden Emittenten Mybet und Royalbeach aus. Betroffenes Volumen: lediglich 5 Millionen Euro. Dies geht aus einer Marktauswertung der Kommunikationsagentur IR.on hervor, die FINANCE vorliegt. Als Mittelstandsanleihe klassifiziert IR.on Bonds mit einer Stückelung von 1.000 Euro und einem Volumen von maximal 150 Millionen Euro.

Dass sich der Markt langsam erholt, sieht man auch an der stärker werdenden Markttätigkeit. Das Neuemissionsvolumen stieg 2018 auf 1,14 Milliarden Euro – nach 909 beziehungsweise 791 Millionen Euro in den beiden Jahren zuvor. Insgesamt wurden 35 neue Mini-Bonds begeben, 15 mehr als 2017. Allerdings ging die Platzierungsquote – das Verhältnis von tatsächlich platziertem zu geplantem Volumen – von 93 auf 71 Prozent zurück.

Immobilienunternehmen übernehmen die Regie

Die größte Veränderung in der Langfristbetrachtung zeigt sich in der Herkunft der Unternehmen, die einen Mini-Bond begeben. Prägten in den Anfangsjahren Unternehmen aus dem Konsumgüterbereich und produzierenden Mittelstand den Markt, sind es inzwischen Immobilienkonzerne. 2018 kam beinahe jeder zweite Emittent aus dem Immobiliensektor, darunter auch der größte: Der Immobilienentwickler DIC Asset platzierte 2018 ein Papier über 150 Millionen Euro.

Bekannte Emittenten abseits der Immobilienbranche waren der Konzertveranstalter Deag, der 25 Millionen Euro einsammeln wollte und 20 Millionen tatsächlich erhielt, sowie der Fußballklub Hertha BSC Berlin, der 40 Millionen Euro im Nordic-Bond-Format und hauptsächlich in Skandinavien platzierte. Im jungen Börsensegment Scale der Deutschen Börse wurde hingegen 2018 keine einzige Anleihe platziert, obwohl Scale ursprünglich auch Mini-Bonds in großer Zahl aufnehmen sollte.

Dem Markt droht 2019 ein Rückfall

Die Achillesferse des Mini-Bond-Segments ist nach wie vor die Abneigung mancher Emittenten, transparent und proaktiv zu kommunizieren. Nach Einschätzung von IR.on entspricht bei jedem dritten Emittenten des Jahres 2018 die Investor-Relations-Website nicht dem von den Investoren geforderten Informationsstandard. Darunter befinden sich gleich acht Kapitalmarktneulinge.

Der Ausblick auf das begonnene Jahr ist gemischt. Eine Umfrage von IR.on unter neun im KMU-Segment tätigen Emissionshäusern ergab, dass die Emissionsbegleiter für dieses Jahr im Schnitt 21 Neuemissionen erwarten. Das sind mehr Deals, als sie zu Jahresbeginn 2018 erwartet hatten (15 Emissionen), aber deutlich weniger, als 2018 tatsächlich durchgeführt wurden. Behalten sie Recht, würde die Markttätigkeit 2019 wieder merklich zurückgehen. „Das zeigt die bestehende Unsicherheit vor allem aufgrund des volatilen Kapitalmarktumfelds“, urteilt IR.on-Manager Florian Kirchmann.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de
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